Kapitel 7 – CBG (Cannabigerol): Das „Mutter-Cannabinoid“

*Cannabigerol (CBG) gehört zu den wichtigsten natürlichen Cannabinoiden der Cannabispflanze. Obwohl es meist nur in geringen Mengen vorkommt, spielt es eine zentrale Rolle in der Biosynthese vieler anderer Cannabinoide. Aus seiner Vorstufe entstehen unter anderem THCA, CBDA und CBCA. Aus diesem Grund wird CBG häufig als „Mutter-Cannabinoid“ bezeichnet. In den letzten Jahren ist das wissenschaftliche Interesse an CBG deutlich gestiegen, da seine chemischen Eigenschaften und möglichen biologischen Funktionen intensiv erforscht werden.*¹


Inhaltsverzeichnis

  • Was ist CBG?
  • Die Entdeckung von CBG
  • Die chemische Struktur
  • Wie entsteht CBG?
  • Warum wird CBG als Mutter-Cannabinoid bezeichnet?
  • CBG in der Cannabispflanze
  • Aktueller Forschungsstand
  • Mögliche medizinische Bedeutung
  • Rechtliche Einordnung
  • Häufige Missverständnisse
  • FAQ
  • Fazit

Was ist CBG?

Cannabigerol (CBG) ist ein natürlich vorkommendes Phytocannabinoid der Cannabispflanze.

Im Gegensatz zu THC oder CBD ist CBG in ausgewachsenen Pflanzen meist nur in relativ geringen Konzentrationen vorhanden. Der Grund dafür liegt im Stoffwechsel der Pflanze: Ein großer Teil des ursprünglich gebildeten CBG wird während des Wachstums in andere Cannabinoide umgewandelt.²

Trotz seiner geringen Konzentration nimmt CBG eine Schlüsselrolle in der Biochemie der Cannabispflanze ein.


Die Entdeckung von CBG

CBG wurde bereits in den 1960er-Jahren identifiziert, als Forschende begannen, die verschiedenen Inhaltsstoffe der Cannabispflanze systematisch zu untersuchen.

Mit den Fortschritten der analytischen Chemie konnten später immer mehr Cannabinoide nachgewiesen werden. Heute sind über 120 verschiedene Cannabinoide bekannt, von denen CBG eines der wichtigsten ist.³


Die chemische Struktur

Cannabigerol besitzt die Summenformel:

C₂₁H₃₂O₂

Es gehört – wie THC und CBD – zur Gruppe der Terpenophenole.

Die räumliche Struktur unterscheidet sich jedoch deutlich von anderen Cannabinoiden. Dadurch ergeben sich unterschiedliche chemische Eigenschaften und Wechselwirkungen mit biologischen Systemen.


Wie entsteht CBG?

Der Stoffwechsel der Cannabispflanze beginnt mit der Bildung der Cannabigerolsäure (CBGA).

CBGA gilt als zentrale Vorstufe mehrerer Cannabinoide.

Durch verschiedene Enzyme entstehen daraus:

  • THCA
  • CBDA
  • CBCA

Erst durch Decarboxylierung entstehen daraus:

  • THC
  • CBD
  • CBC

Nur ein kleiner Teil der ursprünglichen CBGA wird in CBG umgewandelt und verbleibt in dieser Form in der Pflanze.⁴


Warum wird CBG als „Mutter-Cannabinoid“ bezeichnet?

Der Begriff „Mutter-Cannabinoid“ bezieht sich nicht auf CBG selbst, sondern genauer auf seine saure Vorstufe CBGA.

Da CBGA als Ausgangssubstanz für mehrere bedeutende Cannabinoide dient, wird es häufig als „Mutter aller Cannabinoide“ bezeichnet. Umgangssprachlich wird diese Bezeichnung oft auf CBG übertragen, obwohl dies wissenschaftlich nicht ganz präzise ist.

Für ein Fachwiki ist diese Unterscheidung wichtig.


Wo kommt CBG in der Pflanze vor?

CBG wird – wie andere Cannabinoide – überwiegend in den glandulären Trichomen der Blüten gebildet.

Die Konzentration hängt unter anderem ab von:

  • der Genetik,
  • der Sorte,
  • dem Entwicklungsstadium,
  • den Umweltbedingungen,
  • sowie den Anbaubedingungen.

Besonders junge Pflanzen enthalten häufig einen höheren Anteil der Vorstufe CBGA als vollständig ausgereifte Pflanzen.


Aktueller Forschungsstand

CBG wird weltweit intensiv untersucht. Forschungsgebiete sind unter anderem:

  • Pharmakologie
  • Neurowissenschaften
  • Molekularbiologie
  • Immunologie
  • Mikrobiologie

Die bisherigen Ergebnisse liefern interessante Ansätze. Gleichzeitig betonen Übersichtsarbeiten, dass für viele Fragestellungen noch hochwertige klinische Studien am Menschen fehlen. Aussagen über mögliche therapeutische Wirkungen sollten deshalb mit Vorsicht betrachtet werden.⁵


Mögliche medizinische Bedeutung

In Labor- und Tierstudien wurden verschiedene Eigenschaften von CBG untersucht.

Die Forschung beschäftigt sich unter anderem mit:

  • entzündungsbezogenen Prozessen,
  • neurobiologischen Fragestellungen,
  • Stoffwechselprozessen,
  • Wechselwirkungen mit Rezeptoren des Endocannabinoid-Systems.

Viele dieser Untersuchungen befinden sich noch im experimentellen Stadium. Daraus lassen sich derzeit keine allgemeinen Aussagen über eine Wirksamkeit beim Menschen ableiten.


Rechtliche Einordnung

Die rechtliche Bewertung von CBG unterscheidet sich je nach:

  • Land,
  • Produktart,
  • Verwendungszweck,
  • und den jeweils geltenden gesetzlichen Vorschriften.

In der Europäischen Union können – je nach Produkt – unter anderem das Lebensmittelrecht, die Novel-Food-Verordnung, das Arzneimittelrecht oder die Kosmetikverordnung relevant sein.

Da sich die Rechtslage weiterentwickeln kann, sollten stets die aktuellen Vorgaben der zuständigen Behörden berücksichtigt werden.


Häufige Missverständnisse

„CBG ist stärker als THC.“

Nein.

CBG ist ein eigenständiges Cannabinoid mit anderen chemischen Eigenschaften. Es ist nicht einfach „stärker“ oder „schwächer“ als THC – ein direkter Vergleich ist wissenschaftlich nicht sinnvoll.


„Alle CBG-Produkte wirken gleich.“

Nein.

Die Zusammensetzung, Reinheit, Dosierung und Produktqualität können sich erheblich unterscheiden.


„CBG ist vollständig erforscht.“

Nein.

Die Forschung hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht, dennoch bestehen weiterhin zahlreiche offene Fragen, insbesondere zu möglichen medizinischen Anwendungen.


Schon gewusst?

🧬 Genau genommen ist CBGA – und nicht CBG – die eigentliche „Mutter“ vieler Cannabinoide. Der Begriff „Mutter-Cannabinoid“ wird im Alltag häufig vereinfacht verwendet, wissenschaftlich ist diese Unterscheidung jedoch wichtig.


Kurz zusammengefasst

  • CBG ist ein natürliches Cannabinoid der Cannabispflanze.
  • Seine Vorstufe CBGA ist Ausgangspunkt für mehrere andere Cannabinoide.
  • CBG kommt in ausgewachsenen Pflanzen meist nur in geringen Mengen vor.
  • Es steht zunehmend im Fokus wissenschaftlicher Forschung.
  • Viele mögliche medizinische Anwendungen werden derzeit untersucht, sind aber noch nicht abschließend geklärt.

Fazit

Cannabigerol nimmt trotz seines vergleichsweise geringen Vorkommens eine zentrale Rolle in der Biochemie der Cannabispflanze ein. Als Ausgangspunkt für die Bildung vieler weiterer Cannabinoide ist insbesondere seine Vorstufe CBGA von großer Bedeutung. Die Forschung zu CBG entwickelt sich dynamisch und könnte in den kommenden Jahren weitere Erkenntnisse über seine biologischen Eigenschaften und möglichen Anwendungen liefern.

Im nächsten Kapitel widmen wir uns Cannabinol (CBN) – einem Cannabinoid, das vor allem als Abbauprodukt von THC bekannt ist und ebenfalls intensiv untersucht wird.


Quellen

  1. National Center for Biotechnology Information (NCBI) – Cannabigerol: A Review of Its Pharmacological Properties and Therapeutic Potential
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC9666035/
  2. European Union Drugs Agency (EUDA) – Cannabis Overview
    https://www.euda.europa.eu/publications/topic-overviews/cannabis_en
  3. National Center for Biotechnology Information (NCBI) – The Phytocannabinoids
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3570572/
  4. National Center for Biotechnology Information (NCBI) – Cannabinoid Biosynthesis
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5549281/
  5. National Center for Biotechnology Information (NCBI) – Cannabigerol (CBG): Biological Activity and Future Perspectives
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC9666035/

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