Kapitel 12 – HHC (Hexahydrocannabinol): Herkunft, Chemie, Forschung und Rechtslage

Hexahydrocannabinol (HHC) ist ein Cannabinoid, das sowohl in sehr geringen Mengen natürlich in der Cannabispflanze vorkommen kann als auch durch chemische Verfahren aus anderen Cannabinoiden hergestellt werden kann. In den vergangenen Jahren hat HHC insbesondere in Europa und Nordamerika große Aufmerksamkeit erlangt. Gleichzeitig wird HHC wissenschaftlich, regulatorisch und rechtlich intensiv diskutiert. Dieses Kapitel erklärt die chemischen Grundlagen, die Herstellung, den aktuellen Forschungsstand und die rechtliche Entwicklung rund um HHC.


Inhaltsverzeichnis

  • Was ist HHC?
  • Die Entdeckung von HHC
  • Die chemische Struktur
  • Natürliches und halbsynthetisches HHC
  • Wie wird HHC hergestellt?
  • HHC in der Cannabispflanze
  • HHC und das Endocannabinoid-System
  • Aktueller Forschungsstand
  • Qualitäts- und Sicherheitsaspekte
  • Rechtliche Situation
  • Häufige Missverständnisse
  • FAQ
  • Fazit

Was ist HHC?

Hexahydrocannabinol (HHC) gehört zur Gruppe der Cannabinoide. Chemisch ist HHC eng mit Δ9-THC verwandt. Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass HHC durch Hydrierung entsteht. Dabei werden Wasserstoffatome an das Molekül angelagert, wodurch sich seine chemische Struktur verändert.¹

HHC wurde bereits in den 1940er-Jahren beschrieben und ist daher keine neue Entdeckung. Das öffentliche Interesse nahm jedoch erst in den letzten Jahren deutlich zu, als HHC-Produkte auf den Markt kamen.


Die Entdeckung von HHC

Die erstmalige Herstellung von HHC wird dem amerikanischen Chemiker Roger Adams zugeschrieben. Im Jahr 1944 hydrierte er Δ9-THC und erhielt dadurch Hexahydrocannabinol.²

Diese Arbeiten dienten damals der Grundlagenforschung und nicht der Entwicklung von Verbraucherprodukten.


Die chemische Struktur

HHC besitzt die Summenformel:

C₂₁H₃₂O₂

Im Vergleich zu THC enthält HHC zwei zusätzliche Wasserstoffatome. Diese Veränderung entsteht durch die Hydrierung der Doppelbindung im THC-Molekül.

HHC liegt zudem als verschiedene Stereoisomere vor, insbesondere als 9R-HHC und 9S-HHC. Das Verhältnis dieser Isomere kann je nach Herstellungsverfahren variieren und wird in der wissenschaftlichen Literatur als wichtiger Faktor betrachtet.³


Natürliches und halbsynthetisches HHC

In wissenschaftlichen Untersuchungen wurde HHC in Spuren in der Cannabispflanze nachgewiesen. Diese natürlichen Mengen sind jedoch sehr gering.⁴

Die meisten Produkte, die in den vergangenen Jahren auf dem Markt erschienen sind, enthalten halbsynthetisch hergestelltes HHC, das üblicherweise aus anderen Cannabinoiden durch Hydrierung gewonnen wird.

Diese Unterscheidung ist wichtig, da sie Einfluss auf Herstellung, Qualität und regulatorische Bewertung haben kann.


Wie wird HHC hergestellt?

Für die industrielle Herstellung wird häufig ein geeignetes Cannabinoid als Ausgangsstoff verwendet. Anschließend erfolgt die Hydrierung, bei der Wasserstoff unter kontrollierten Bedingungen an das Molekül angelagert wird.

Das Endprodukt muss anschließend sorgfältig gereinigt und analysiert werden, um Verunreinigungen oder unerwünschte Nebenprodukte möglichst auszuschließen.


HHC in der Cannabispflanze

Im Gegensatz zu THC oder CBD wird HHC in der Cannabispflanze nicht in nennenswerten Mengen gebildet.

Die in Pflanzen nachgewiesenen Konzentrationen sind sehr gering. Für kommerzielle Produkte spielt natürlich vorkommendes HHC deshalb praktisch keine Rolle.


HHC und das Endocannabinoid-System

Die wissenschaftliche Forschung untersucht derzeit, wie HHC mit dem Endocannabinoid-System interagiert.

Laborstudien deuten darauf hin, dass HHC an Cannabinoid-Rezeptoren binden kann. Die pharmakologischen Eigenschaften und die Unterschiede zwischen den einzelnen Isomeren werden weiterhin erforscht.⁵

Die vorhandenen Daten reichen derzeit nicht aus, um umfassende Aussagen über mögliche Wirkungen beim Menschen zu treffen.


Aktueller Forschungsstand

Die wissenschaftliche Datenlage zu HHC ist im Vergleich zu THC oder CBD deutlich begrenzter.

Aktuelle Forschungsgebiete umfassen:

  • Pharmakologie
  • Toxikologie
  • Analytische Chemie
  • Rezeptorbiologie
  • Stoffwechsel (Metabolismus)

Ein Großteil der verfügbaren Erkenntnisse stammt aus Laboruntersuchungen. Hochwertige klinische Studien am Menschen sind bislang nur in begrenztem Umfang verfügbar.


Qualitäts- und Sicherheitsaspekte

Da viele HHC-Produkte durch chemische Umwandlungsprozesse hergestellt werden, spielt die Qualitätssicherung eine besonders wichtige Rolle.

Seriöse Hersteller sollten unter anderem bereitstellen:

  • Analysezertifikate unabhängiger Labore (COA)
  • Angaben zu Isomeren
  • Informationen über mögliche Verunreinigungen
  • Chargennummern
  • Nachweise über Lösungsmittel- und Schwermetallanalysen

Eine transparente Dokumentation trägt wesentlich zur Produktsicherheit bei.


Rechtliche Situation

Die rechtliche Bewertung von HHC hat sich in den vergangenen Jahren in vielen Ländern verändert.

In Deutschland fällt HHC seit dem 27. Juni 2024 unter das Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG). Herstellung, Handel und Inverkehrbringen sind dadurch grundsätzlich verboten. Die genauen rechtlichen Folgen ergeben sich aus dem Gesetz und den jeweils geltenden Vorschriften.

Da sich gesetzliche Regelungen ändern können, sollten stets die aktuellen Veröffentlichungen der zuständigen Behörden beachtet werden.


Häufige Missverständnisse

„HHC ist natürlich.“

Teilweise.

HHC kommt zwar in sehr geringen Mengen natürlich in Cannabis vor. Die meisten kommerziellen Produkte enthalten jedoch halbsynthetisch hergestelltes HHC.


„Über HHC weiß man alles.“

Nein.

Die Forschung steckt im Vergleich zu THC und CBD noch in einem frühen Stadium. Viele Fragen zu Pharmakologie, Toxikologie und Langzeiteffekten sind noch nicht abschließend beantwortet.


„Alle HHC-Produkte sind gleich.“

Nein.

Je nach Herstellungsverfahren können sich Reinheit, Isomerenverhältnis und Qualität deutlich unterscheiden.


Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Kommt HHC natürlich in Cannabis vor?

Ja, allerdings nur in sehr geringen Mengen.


Warum unterscheiden sich HHC-Produkte?

Je nach Herstellungsverfahren können unterschiedliche Isomerenverhältnisse sowie verschiedene Reinheitsgrade entstehen.


Warum wird HHC wissenschaftlich untersucht?

HHC ist aufgrund seiner chemischen Struktur und seiner Wechselwirkungen mit dem Endocannabinoid-System für die Forschung interessant. Viele Fragen sind jedoch noch offen.


Schon gewusst?

🧪 Obwohl HHC häufig als „neues Cannabinoid“ bezeichnet wird, wurde es bereits 1944 erstmals im Labor hergestellt – also rund 80 Jahre vor seinem breiten öffentlichen Bekanntwerden.


Kurz zusammengefasst

  • HHC ist ein chemisch mit THC verwandtes Cannabinoid.
  • Es kommt natürlich nur in sehr geringen Mengen in Cannabis vor.
  • Die meisten HHC-Produkte basieren auf halbsynthetisch hergestelltem HHC.
  • Die wissenschaftliche Datenlage ist noch begrenzt.
  • In Deutschland unterliegt HHC seit Juni 2024 dem Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG).

Fazit

Hexahydrocannabinol ist ein Cannabinoid mit einer interessanten chemischen Struktur und einer langen wissenschaftlichen Geschichte. Während HHC heute vor allem durch halbsynthetisch hergestellte Produkte bekannt ist, stehen Forschung und Regulierung weiterhin vor vielen offenen Fragen. Die derzeitige Datenlage zeigt, dass weitere hochwertige Studien notwendig sind, um Eigenschaften, Sicherheit und mögliche Anwendungen besser zu verstehen.

Im nächsten Kapitel widmen wir uns THCP (Tetrahydrocannabiphorol) – einem vergleichsweise neu entdeckten Cannabinoid, das aufgrund seiner besonderen Molekülstruktur großes wissenschaftliches Interesse geweckt hat.


Quellen

  1. NCBI – Cannabinoid Chemistry and Structure
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3570572/
  2. Adams, R. et al. – Historische Arbeiten zur Hydrierung von THC (PubMed)
    https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/
  3. NCBI – Hexahydrocannabinol (HHC): Chemistry, Stereochemistry and Pharmacology
    https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/
  4. NCBI – Minor Cannabinoids in Cannabis
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6312155/
  5. NCBI Bookshelf – The Endocannabinoid System
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK224384/
  6. Bundesministerium der Justiz – Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG)
    https://www.gesetze-im-internet.de/npsg/

Latest Stories

Alle anzeigen

Der große Cannabis-Guide - Indica, Sativa und Hybride

Der große Cannabis-Guide - Indica, Sativa und Hybride

Kapitel 35 – Indica, Sativa und Hybride: Was sagt die Wissenschaft? Die Begriffe Indica, Sativa und Hybrid gehören zu den bekanntesten Bezeichnungen im Zusammenhang mit Cannabis. Über viele Jahre wurden sie verwendet, um Pflanzen anhand ihres Aussehens und ihrer vermuteten...

Weiterlesenüber Der große Cannabis-Guide - Indica, Sativa und Hybride

Der große Cannabis-Guide - Phänotyp, Genotyp und Chemotyp

Der große Cannabis-Guide - Phänotyp, Genotyp und Chemotyp

Kapitel 34 – Phänotyp, Genotyp und Chemotyp: Die Unterschiede einfach erklärt Nicht jede Cannabispflanze derselben Sorte sieht gleich aus oder besitzt identische Eigenschaften. Obwohl zwei Pflanzen denselben genetischen Ursprung haben können, unterscheiden sie sich häufig in Wuchsform, Blütenstruktur, Aroma oder...

Weiterlesenüber Der große Cannabis-Guide - Phänotyp, Genotyp und Chemotyp

Der große Cannabis-Guide - Cannabis-Genetik

Der große Cannabis-Guide - Cannabis-Genetik

Kapitel 33 – Cannabis-Genetik: Warum jede Cannabissorte einzigartig ist Die enorme Vielfalt der Cannabispflanze beruht auf ihrer Genetik. Sie bestimmt, wie eine Pflanze wächst, welche Eigenschaften sie entwickelt und welche Kombination aus Cannabinoiden, Terpenen und anderen Pflanzenstoffen sie bilden kann....

Weiterlesenüber Der große Cannabis-Guide - Cannabis-Genetik

Der große Cannabis-Guide - Cannabis Anatomie

Der große Cannabis-Guide - Cannabis Anatomie

Kapitel 32 – Cannabis Anatomie: Der komplette Aufbau der Cannabispflanze erklärt Die Cannabispflanze gehört zu den weltweit bekanntesten Kultur- und Nutzpflanzen. Ihr komplexer Aufbau ermöglicht ihr, sich an unterschiedliche Umweltbedingungen anzupassen und eine Vielzahl biologisch aktiver Pflanzenstoffe zu produzieren. Jede...

Weiterlesenüber Der große Cannabis-Guide - Cannabis Anatomie