Kapitel 15 – Myrcen: Das häufigste Terpen der Cannabispflanze

Myrcen (β-Myrcen) gehört zu den am häufigsten vorkommenden Terpenen in der Cannabispflanze und ist zugleich eines der weltweit am intensivsten untersuchten Monoterpene. Es trägt maßgeblich zum Duftprofil vieler Cannabissorten bei und kommt darüber hinaus in zahlreichen anderen Pflanzen wie Hopfen, Mango, Zitronengras und Lorbeer vor. Aufgrund seiner weiten Verbreitung und seiner chemischen Eigenschaften ist Myrcen seit vielen Jahren Gegenstand botanischer, biochemischer und pharmakologischer Forschung.


Inhaltsverzeichnis

  • Was ist Myrcen?
  • Die Entdeckung von Myrcen
  • Die chemische Struktur
  • Wie entsteht Myrcen?
  • Myrcen in der Cannabispflanze
  • Natürliches Vorkommen
  • Duft- und Aromaprofil
  • Aktueller Forschungsstand
  • Myrcen und der Entourage-Effekt
  • Häufige Missverständnisse
  • FAQ
  • Fazit

Was ist Myrcen?

β-Myrcen, meist einfach Myrcen genannt, ist ein natürlich vorkommendes Monoterpen. Es zählt zu den wichtigsten flüchtigen Aromastoffen der Cannabispflanze und prägt das Duftprofil vieler Sorten.

Außerhalb von Cannabis kommt Myrcen in zahlreichen Pflanzen vor und ist Bestandteil vieler ätherischer Öle. Es spielt dort unter anderem eine Rolle bei der Kommunikation mit der Umwelt und dem Schutz der Pflanze.¹


Die Entdeckung von Myrcen

Der Name Myrcen leitet sich von der Pflanzengattung Myrcia ab, aus deren ätherischen Ölen die Verbindung erstmals isoliert wurde.

Heute ist Myrcen eines der am besten untersuchten Terpene und wird nicht nur in der Cannabisforschung, sondern auch in der Lebensmittel-, Duftstoff- und Pflanzenforschung intensiv untersucht.


Die chemische Struktur

Myrcen besitzt die Summenformel:

C₁₀H₁₆

Es gehört zur Gruppe der Monoterpene, die aus zwei Isopren-Einheiten aufgebaut sind.

Die offene Molekülstruktur macht Myrcen zu einer reaktiven Verbindung, die in Pflanzen als Ausgangsstoff für weitere Terpene dienen kann.²


Wie entsteht Myrcen?

Die Biosynthese erfolgt über den MEP-Stoffwechselweg in den Plastiden der Pflanzenzellen.

Aus dem Vorläufer Geranylpyrophosphat (GPP) wird Myrcen mithilfe des Enzyms Myrcen-Synthase gebildet.

Dieser Prozess findet auch in den Trichomen der Cannabispflanze statt.


Myrcen in der Cannabispflanze

Myrcen zählt bei vielen Cannabissorten zu den mengenmäßig bedeutendsten Terpenen.

Die Konzentration hängt unter anderem ab von:

  • der Genetik,
  • den Umweltbedingungen,
  • dem Erntezeitpunkt,
  • der Trocknung,
  • dem Curing,
  • sowie der Lagerung.

Nicht jede Sorte enthält hohe Myrcen-Anteile – das Terpenprofil kann sich je nach Genetik deutlich unterscheiden.


Natürliches Vorkommen

Myrcen kommt unter anderem vor in:

  • Hopfen
  • Mango
  • Zitronengras
  • Lorbeer
  • Thymian
  • Kardamom
  • Basilikum
  • Eisenkraut

Diese Pflanzen verdanken einen Teil ihres charakteristischen Aromas diesem Terpen.


Duft- und Aromaprofil

Myrcen wird häufig beschrieben als:

  • erdig,
  • kräuterartig,
  • würzig,
  • moschusartig,
  • leicht fruchtig.

Je nach Kombination mit anderen Terpenen entstehen unterschiedliche Duftprofile.


Aktueller Forschungsstand

Myrcen wird weltweit in verschiedenen wissenschaftlichen Bereichen untersucht.

Dazu gehören:

  • Botanik
  • Pflanzenbiologie
  • Pharmakologie
  • Lebensmittelchemie
  • Duftstoffforschung

Die Forschung beschäftigt sich unter anderem mit seiner Biosynthese, seiner ökologischen Funktion sowie seinen Wechselwirkungen mit anderen Pflanzenstoffen. Viele Fragestellungen werden weiterhin untersucht.³


Myrcen und der Entourage-Effekt

Myrcen wird häufig im Zusammenhang mit dem sogenannten Entourage-Effekt erwähnt.

Die Hypothese besagt, dass Terpene gemeinsam mit Cannabinoiden biologische Prozesse beeinflussen könnten. Der genaue Umfang möglicher Wechselwirkungen ist jedoch noch nicht abschließend wissenschaftlich geklärt und bleibt Gegenstand aktueller Forschung.⁴


Häufige Missverständnisse

„Myrcen kommt nur in Cannabis vor.“

Nein.

Myrcen ist eines der am weitesten verbreiteten Terpene im Pflanzenreich.


„Alle Cannabissorten enthalten viel Myrcen.“

Nein.

Die Konzentration unterscheidet sich je nach Sorte und Anbaubedingungen erheblich.


„Die Eigenschaften von Myrcen sind vollständig erforscht.“

Nein.

Obwohl Myrcen intensiv untersucht wird, sind viele biologische Zusammenhänge weiterhin Gegenstand wissenschaftlicher Forschung.


Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist Myrcen ein Cannabinoid?

Nein.

Myrcen gehört zur Gruppe der Terpene und nicht zu den Cannabinoiden.


Wo wird Myrcen in Cannabis gebildet?

Vor allem in den glandulären Trichomen der Blüten.


Warum riechen manche Cannabissorten erdig?

Ein Grund kann ein höherer Anteil an Myrcen im jeweiligen Terpenprofil sein.


Schon gewusst?

🌿 Hopfen und Cannabis enthalten beide oft hohe Mengen an Myrcen. Deshalb weisen manche hopfenbetonten Biersorten und bestimmte Cannabissorten überraschend ähnliche Aromanuancen auf.


Kurz zusammengefasst

  • Myrcen ist ein Monoterpen.
  • Es gehört zu den häufigsten Terpenen in Cannabis.
  • Es kommt auch in Hopfen, Mango und Zitronengras vor.
  • Es trägt wesentlich zum Duftprofil vieler Sorten bei.
  • Der wissenschaftliche Forschungsstand entwickelt sich kontinuierlich weiter.

Fazit

Myrcen zählt zu den wichtigsten Terpenen der Cannabispflanze und prägt das Aroma zahlreicher Sorten. Gleichzeitig ist es ein weit verbreiteter Naturstoff, der in vielen Pflanzen vorkommt und intensiv erforscht wird. Seine Rolle innerhalb der Pflanze sowie mögliche Wechselwirkungen mit anderen Pflanzenstoffen sind weiterhin Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen.

Im nächsten Kapitel beschäftigen wir uns mit Limonen – einem Monoterpen, das für seine charakteristischen Zitrusaromen bekannt ist und ebenfalls zu den bedeutendsten Terpenen der Cannabispflanze zählt.


Quellen

  1. NCBI – Terpenes and Terpenoids: Natural Products
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7120914/
  2. PubChem – Myrcene (CID: 31253)
    https://pubchem.ncbi.nlm.nih.gov/compound/Myrcene
  3. NCBI – Cannabis Terpenes and Their Biological Roles
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7763918/
  4. National Center for Complementary and Integrative Health (NCCIH) – Cannabis and Cannabinoids
    https://www.nccih.nih.gov/health/cannabis-marijuana-and-cannabinoids-what-you-need-to-know

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