Kapitel 14 – Terpene: Die aromatischen Verbindungen der Cannabispflanze

Terpene gehören zu den wichtigsten natürlichen Inhaltsstoffen der Cannabispflanze. Sie sind für den charakteristischen Duft und das Aroma verschiedener Cannabissorten verantwortlich und kommen gleichzeitig in zahlreichen anderen Pflanzen, Früchten und Gewürzen vor. In den vergangenen Jahren hat das wissenschaftliche Interesse an Terpenen deutlich zugenommen. Forschende untersuchen ihre chemischen Eigenschaften, ihre Funktion innerhalb der Pflanze sowie mögliche Wechselwirkungen mit anderen Pflanzenstoffen. Dieses Kapitel erklärt die Grundlagen der Terpene, ihre Entstehung, ihre Bedeutung für Cannabis und den aktuellen Stand der Forschung.


Inhaltsverzeichnis

  • Was sind Terpene?
  • Die Entdeckung der Terpene
  • Die chemische Struktur
  • Wie entstehen Terpene?
  • Terpene in der Cannabispflanze
  • Einteilung der Terpene
  • Funktion der Terpene
  • Terpene außerhalb von Cannabis
  • Aktueller Forschungsstand
  • Terpene und der Entourage-Effekt
  • Rechtliche Einordnung
  • Häufige Missverständnisse
  • FAQ
  • Fazit

Was sind Terpene?

Terpene sind eine große Gruppe natürlich vorkommender organischer Verbindungen, die in Pflanzen, Pilzen und einigen Insekten gebildet werden. Sie zählen zu den häufigsten Naturstoffen überhaupt und wurden in mehreren zehntausend verschiedenen Strukturen beschrieben.¹

In der Cannabispflanze tragen Terpene wesentlich zum individuellen Duft- und Aromaprofil einer Sorte bei. Während einige Sorten fruchtige oder zitrusartige Noten aufweisen, erinnern andere an Kiefer, Lavendel, Pfeffer oder Hopfen. Diese Unterschiede beruhen auf der jeweiligen Zusammensetzung der enthaltenen Terpene.

Terpene kommen jedoch nicht ausschließlich in Cannabis vor. Sie sind unter anderem auch in:

  • Zitronen
  • Orangen
  • Lavendel
  • Rosmarin
  • Pfeffer
  • Hopfen
  • Kiefern
  • Eukalyptus
  • Mango
  • Basilikum

natürlich enthalten.


Die Entdeckung der Terpene

Der Begriff Terpen leitet sich vom lateinischen Oleum terebinthinae (Terpentinöl) ab. Bereits im 19. Jahrhundert begannen Chemiker, die flüchtigen Bestandteile ätherischer Öle systematisch zu untersuchen.

Mit der Entwicklung moderner Analyseverfahren wie der Gaschromatographie und der Massenspektrometrie konnten im Laufe der Zeit immer mehr Terpene identifiziert werden. Heute sind weit über 20.000 verschiedene Terpene und Terpenoide bekannt.²


Die chemische Struktur

Terpene bestehen aus sogenannten Isopren-Einheiten (C₅H₈).

Je nach Anzahl dieser Bausteine entstehen verschiedene Terpenklassen:

Terpenklasse Anzahl Isopren-Einheiten Beispiele
Monoterpene 2 Myrcen, Limonen, Pinen
Sesquiterpene 3 Caryophyllen, Humulen
Diterpene 4 Phytol

Diese Einteilung bildet die Grundlage für die chemische Klassifizierung aller Terpene.


Wie entstehen Terpene?

Die Biosynthese der Terpene erfolgt in Pflanzen über zwei Stoffwechselwege:

  • den Mevalonat-Weg (MVA)
  • den MEP-Weg (Methylerythritphosphat-Weg)

Aus diesen Stoffwechselwegen entstehen verschiedene Vorläufermoleküle, aus denen die Pflanze mithilfe spezieller Enzyme eine große Vielfalt unterschiedlicher Terpene bildet.³

Welche Terpene letztlich produziert werden, hängt unter anderem von der Genetik, dem Entwicklungsstadium und den Umweltbedingungen der Pflanze ab.


Terpene in der Cannabispflanze

In Cannabis werden Terpene überwiegend in den glandulären Trichomen gebildet – denselben Harzdrüsen, in denen auch Cannabinoide entstehen.

Das Terpenprofil einer Cannabissorte wird unter anderem beeinflusst durch:

  • die Genetik,
  • Lichtintensität,
  • Temperatur,
  • Luftfeuchtigkeit,
  • Nährstoffversorgung,
  • Erntezeitpunkt,
  • Trocknung,
  • Curing,
  • Lagerung.

Schon kleine Unterschiede während dieser Phasen können die Zusammensetzung der Terpene verändern.


Einteilung der Terpene

In Cannabis kommen zahlreiche Terpene vor. Zu den bekanntesten zählen:

  • Myrcen
  • Limonen
  • β-Caryophyllen
  • α-Pinen
  • β-Pinen
  • Linalool
  • Humulen
  • Terpinolen
  • Ocimen
  • Nerolidol
  • Bisabolol
  • Farnesen
  • Geraniol
  • Borneol
  • Eucalyptol

Jedes dieser Terpene besitzt ein charakteristisches Duftprofil und kommt auch in vielen anderen Pflanzenarten vor.


Funktion der Terpene

Terpene erfüllen in Pflanzen verschiedene biologische Aufgaben.

Dazu gehören unter anderem:

  • Schutz vor Fraßfeinden,
  • Kommunikation mit anderen Pflanzen,
  • Anlocken von Bestäubern,
  • Abwehr bestimmter Krankheitserreger,
  • Reaktion auf Umweltstress.

Die genaue Funktion einzelner Terpene kann je nach Pflanzenart unterschiedlich sein.


Terpene außerhalb von Cannabis

Terpene sind im Pflanzenreich weit verbreitet.

Beispiele:

Terpen Typische Pflanzen
Limonen Zitronen, Orangen
Linalool Lavendel
Caryophyllen Schwarzer Pfeffer
Humulen Hopfen
Pinen Kiefer
Geraniol Rosen
Eucalyptol Eukalyptus

Diese weite Verbreitung erklärt, warum viele Cannabisaromen auch an andere Pflanzen erinnern.


Aktueller Forschungsstand

Terpene werden weltweit in zahlreichen wissenschaftlichen Disziplinen untersucht.

Dazu gehören:

  • Botanik
  • Pharmakologie
  • Pflanzenbiologie
  • Biochemie
  • Lebensmittelchemie
  • Duftstoffforschung

Die Forschung beschäftigt sich unter anderem mit ihrer Biosynthese, ihren ökologischen Funktionen und ihren Wechselwirkungen mit anderen Pflanzenstoffen. Für viele Fragestellungen – insbesondere im Zusammenhang mit Cannabis – sind jedoch weitere hochwertige Studien erforderlich.⁴


Terpene und der Entourage-Effekt

Im Zusammenhang mit Cannabis wird häufig der Begriff Entourage-Effekt verwendet.

Damit ist die Hypothese gemeint, dass Cannabinoide, Terpene und andere Pflanzenstoffe gemeinsam biologische Effekte beeinflussen könnten. Dieses Konzept wird wissenschaftlich untersucht.

Nach dem aktuellen Forschungsstand gibt es Hinweise auf mögliche Wechselwirkungen. Umfang und Bedeutung dieser Wechselwirkungen sind jedoch noch nicht abschließend geklärt und bleiben Gegenstand weiterer Forschung.⁵


Rechtliche Einordnung

Terpene selbst sind in vielen Bereichen des täglichen Lebens verbreitet und werden unter anderem in:

  • Lebensmitteln,
  • Kosmetika,
  • Parfüms,
  • Reinigungsmitteln,
  • Arzneimitteln,
  • und ätherischen Ölen

verwendet.

Welche gesetzlichen Vorschriften gelten, hängt vom jeweiligen Verwendungszweck und der Produktkategorie ab.


Häufige Missverständnisse

„Terpene kommen nur in Cannabis vor.“

Nein.

Terpene sind im gesamten Pflanzenreich verbreitet und kommen in tausenden Pflanzenarten vor.


„Alle Cannabissorten riechen gleich.“

Nein.

Das individuelle Terpenprofil bestimmt maßgeblich den charakteristischen Duft und das Aroma einer Sorte.


„Der Entourage-Effekt ist wissenschaftlich bewiesen.“

Nein.

Der Entourage-Effekt ist eine wissenschaftliche Hypothese, die derzeit intensiv untersucht wird. Die genaue Bedeutung und das Ausmaß möglicher Wechselwirkungen sind noch nicht abschließend geklärt.


Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie viele Terpene gibt es?

Wissenschaftlich wurden bislang weit über 20.000 verschiedene Terpene und Terpenoide beschrieben.


Wo werden Terpene in Cannabis gebildet?

Vor allem in den glandulären Trichomen der Blüten.


Warum riechen Cannabissorten unterschiedlich?

Die Unterschiede beruhen auf der individuellen Zusammensetzung und Konzentration der enthaltenen Terpene.


Schon gewusst?

🌿 Hopfen und Cannabis gehören zur selben Pflanzenordnung (Rosales) und teilen sich mehrere Terpene – darunter β-Caryophyllen und Humulen. Deshalb erinnern manche Cannabissorten aromatisch an hopfenbetonte Biersorten.


Kurz zusammengefasst

  • Terpene sind natürliche Aromastoffe des Pflanzenreichs.
  • Sie werden auch in Cannabis in den Trichomen gebildet.
  • Das Terpenprofil bestimmt maßgeblich Duft und Aroma einer Sorte.
  • Terpene kommen auch in vielen anderen Pflanzen vor.
  • Der Entourage-Effekt wird wissenschaftlich untersucht, ist aber noch nicht abschließend geklärt.

Fazit

Terpene sind weit mehr als reine Duftstoffe. Sie spielen eine wichtige Rolle im Stoffwechsel und in der Ökologie der Cannabispflanze und prägen das charakteristische Aroma verschiedener Sorten. Gleichzeitig sind sie ein bedeutendes Forschungsgebiet der modernen Pflanzen- und Cannabinoidforschung. Ihr Zusammenspiel mit Cannabinoiden und anderen Pflanzenstoffen wird weiterhin intensiv untersucht und könnte künftig zu einem besseren Verständnis der komplexen Chemie von Cannabis beitragen.

Im nächsten Kapitel widmen wir uns Myrcen – dem häufigsten Terpen vieler Cannabissorten und einem der am intensivsten untersuchten Vertreter dieser Stoffgruppe.


Quellen

  1. NCBI – Terpenes and Terpenoids: Natural Products
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7120914/
  2. Britannica – Terpene
    https://www.britannica.com/science/terpene
  3. NCBI – Biosynthesis of Terpenes in Plants
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7149609/
  4. NCBI – Cannabis Terpenes and Their Biological Roles
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7763918/
  5. National Center for Complementary and Integrative Health (NCCIH) – Cannabis and Cannabinoids
    https://www.nccih.nih.gov/health/cannabis-marijuana-and-cannabinoids-what-you-need-to-know

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