Kapitel 1: Was ist Cannabis?
Cannabis – Eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt
Cannabis gehört zu den ältesten vom Menschen genutzten Kulturpflanzen überhaupt. Archäologische Funde zeigen, dass die Pflanze bereits vor mehreren tausend Jahren für unterschiedliche Zwecke verwendet wurde. Neben der Nutzung als Faserpflanze spielte Cannabis in verschiedenen Kulturen auch eine Rolle in der Medizin, bei religiösen Zeremonien und später als Rohstoff für Seile, Textilien und Papier. (Weltgesundheitsorganisation)
Heute zählt Cannabis zu den weltweit bekanntesten Pflanzen. Während viele Menschen den Begriff ausschließlich mit berauschenden Wirkungen verbinden, ist die Pflanze deutlich vielseitiger. Sie liefert robuste Naturfasern, Samen als Lebensmittel, Inhaltsstoffe für die medizinische Forschung sowie zahlreiche chemische Verbindungen, die wissenschaftlich untersucht werden.
Was versteht man unter Cannabis?
Der Begriff Cannabis bezeichnet eine Pflanzengattung aus der Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae). Am bekanntesten ist die Art Cannabis sativa L.. Je nach wissenschaftlicher Einordnung werden zusätzlich Cannabis indica und Cannabis ruderalis als eigenständige Arten oder als Unterarten beschrieben. In der Botanik besteht hierzu bis heute kein vollständiger Konsens. (WHO CDN)
Die Pflanze wächst heute auf nahezu allen Kontinenten und kann sich an sehr unterschiedliche Klimazonen anpassen. Je nach Sorte unterscheiden sich Wuchsform, Blattstruktur, Blütezeit und chemische Zusammensetzung erheblich.
Die Bestandteile der Cannabispflanze
Eine Cannabispflanze besteht aus mehreren Bestandteilen, die jeweils unterschiedliche Eigenschaften besitzen:
Blüten
Die Blüten der weiblichen Pflanze enthalten die höchste Konzentration an Cannabinoiden und Terpenen. In den kleinen Harzdrüsen (Trichomen) werden unter anderem THC und CBD gebildet. Diese Blüten stehen häufig im Mittelpunkt medizinischer und wissenschaftlicher Untersuchungen. (WHO CDN)
Blätter
Die charakteristischen gezackten Blätter dienen der Photosynthese. Sie enthalten ebenfalls Cannabinoide, jedoch in deutlich geringeren Mengen als die Blüten.
Samen
Cannabissamen enthalten von Natur aus praktisch keine relevanten Mengen an THC oder CBD. Sie gelten als nährstoffreich und liefern unter anderem Proteine, Ballaststoffe sowie Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren.
Stängel und Fasern
Die langen Fasern des Hanfstängels gehören zu den widerstandsfähigsten Naturfasern überhaupt. Sie werden seit Jahrhunderten für die Herstellung von Seilen, Textilien, Dämmstoffen, Papier und modernen Verbundwerkstoffen verwendet.
Was sind Cannabinoide?
Cannabinoide sind natürliche chemische Verbindungen der Cannabispflanze. Bis heute wurden weit über 100 verschiedene Cannabinoide identifiziert, wobei laufende Forschung weitere Verbindungen beschreibt. Zu den bekanntesten zählen:
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Δ9-Tetrahydrocannabinol (THC)
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Cannabidiol (CBD)
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Cannabigerol (CBG)
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Cannabinol (CBN)
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Cannabichromen (CBC)
Diese Stoffe unterscheiden sich in ihrer chemischen Struktur und ihren Eigenschaften. Viele ihrer möglichen Wirkungen werden weiterhin wissenschaftlich untersucht. (Weltgesundheitsorganisation)
THC und CBD – Die bekanntesten Inhaltsstoffe
Die beiden bekanntesten Cannabinoide sind THC und CBD.
THC (Δ9-Tetrahydrocannabinol) ist das wichtigste psychoaktive Cannabinoid der Pflanze. Es ist für die berauschende Wirkung verantwortlich und steht seit Jahrzehnten im Mittelpunkt medizinischer und regulatorischer Diskussionen. (Weltgesundheitsorganisation)
CBD (Cannabidiol) wirkt im Gegensatz zu THC nicht berauschend. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kommt in ihrer Bewertung zu dem Schluss, dass reines CBD nach derzeitigem Kenntnisstand kein relevantes Missbrauchs- oder Abhängigkeitspotenzial zeigt. Gleichzeitig weist die WHO darauf hin, dass die Forschung zu möglichen medizinischen Anwendungen fortlaufend ist. (Weltgesundheitsorganisation)
Cannabis ist mehr als ein Rauschmittel
In der öffentlichen Wahrnehmung wird Cannabis häufig ausschließlich mit Freizeitkonsum in Verbindung gebracht. Tatsächlich ist die Pflanze deutlich vielseitiger.
Zu ihren wichtigsten Anwendungsbereichen zählen:
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Herstellung von Textilien
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Papierproduktion
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Baustoffe
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Lebensmittel (Hanfsamen und Hanföl)
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Kosmetikprodukte
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medizinische Forschung und Arzneimittelentwicklung
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industrielle Rohstoffe
Diese breite Nutzung macht Cannabis zu einer der vielseitigsten Kulturpflanzen der Welt. (Weltgesundheitsorganisation)
Cannabis in Deutschland
Mit dem Inkrafttreten des Cannabisgesetzes (CanG) am 1. April 2024 wurde der rechtliche Umgang mit Cannabis in Deutschland neu geregelt. Seitdem gelten unter anderem neue Vorschriften für den Besitz bestimmter Mengen, den privaten Eigenanbau und Anbauvereinigungen. Medizinisches Cannabis wird zusätzlich durch das Medizinal-Cannabisgesetz (MedCanG) geregelt. (BfArM)
Die gesetzlichen Rahmenbedingungen können sich ändern. Daher empfiehlt es sich, regelmäßig die Veröffentlichungen des Bundesministeriums für Gesundheit und des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte zu verfolgen.
Fazit
Cannabis ist weit mehr als nur eine Pflanze mit psychoaktiven Eigenschaften. Seit Jahrtausenden begleitet sie den Menschen als Rohstoff, Nutzpflanze und Gegenstand wissenschaftlicher Forschung. Ihre Inhaltsstoffe, ihre industrielle Bedeutung und ihre gesellschaftliche Rolle machen Cannabis zu einem facettenreichen Thema, das in den folgenden Kapiteln dieses Guides detailliert beleuchtet wird.
Quellen (Kapitel 1)
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WHO – Cannabis and cannabis resin (Expert Committee on Drug Dependence)
https://cdn.who.int/media/docs/default-source/controlled-substances/cannabis-and-cannabis-resin.pdf (WHO CDN) -
WHO – Expert Committee on Drug Dependence Review of Cannabis
https://www.who.int/news-room/questions-and-answers/item/who-expert-committee-on-drug-dependence-review-of-cannabis (Weltgesundheitsorganisation) -
WHO – Cannabidiol (CBD) Questions & Answers
https://www.who.int/news-room/questions-and-answers/item/cannabidiol-(compound-of-cannabis) (Weltgesundheitsorganisation) -
WHO – The Health and Social Effects of Nonmedical Cannabis Use
https://www.who.int/publications/i/item/9789241510240 (Weltgesundheitsorganisation) -
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) – Hinweise für Ärztinnen und Ärzte zu medizinischem Cannabis
https://www.bfarm.de/DE/Bundesopiumstelle/Medizinisches-Cannabis/Hinweise-fuer-Aerzte/_node.html (BfArM) -
Bundesministerium für Gesundheit – Cannabis als Medizin (FAQ)
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/begriffe-von-a-z/c/cannabis/faq-cannabis-als-medizin/seite (BMG)







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