Kapitel 27 – Borneol: Das kampferartige Terpen der Cannabispflanze

Borneol gehört zu den natürlich vorkommenden Monoterpen-Alkoholen und ist für sein frisches, kampferartiges, leicht holziges Aroma bekannt. Es kommt in zahlreichen Pflanzenarten vor, darunter Rosmarin, Salbei, Beifuß, Ingwer und verschiedene Nadelbäume. Auch in der Cannabispflanze kann Borneol Bestandteil des individuellen Terpenprofils sein. Aufgrund seiner chemischen Eigenschaften und seines natürlichen Vorkommens wird Borneol seit vielen Jahrzehnten in der Botanik, Pflanzenbiologie, Biochemie und Pharmakologie erforscht. Dieses Kapitel erläutert die chemischen Grundlagen, die Biosynthese, das natürliche Vorkommen und den aktuellen wissenschaftlichen Forschungsstand.


Inhaltsverzeichnis

  • Was ist Borneol?
  • Die Entdeckung von Borneol
  • Die chemische Struktur
  • Wie entsteht Borneol?
  • Borneol in der Cannabispflanze
  • Natürliches Vorkommen
  • Duft- und Aromaprofil
  • Aktueller Forschungsstand
  • Borneol und der Entourage-Effekt
  • Häufige Missverständnisse
  • FAQ
  • Fazit

Was ist Borneol?

Borneol ist ein natürlich vorkommender Monoterpen-Alkohol, der in zahlreichen Heil-, Gewürz- und Nadelpflanzen vorkommt. Besonders bekannt ist er aus dem Borneobaum (Dryobalanops aromatica), von dem sich auch sein Name ableitet. Heute weiß man jedoch, dass Borneol in vielen weiteren Pflanzenarten gebildet wird.¹

In der Cannabispflanze kommt Borneol meist nur in geringen Mengen vor. Dennoch trägt es zum komplexen Duftprofil einzelner Sorten bei und ist Bestandteil verschiedener ätherischer Öle.


Die Entdeckung von Borneol

Borneol wurde bereits im 19. Jahrhundert aus dem Harz des Borneobaums isoliert. Später konnte die Verbindung auch in Rosmarin, Salbei, Kampferpflanzen und zahlreichen weiteren Arten nachgewiesen werden.

Mit modernen chromatographischen Analyseverfahren gehört Borneol heute zu den gut charakterisierten natürlichen Monoterpenen.


Die chemische Struktur

Borneol besitzt die Summenformel:

C₁₀H₁₈O

Es gehört zur Gruppe der Monoterpen-Alkohole und besteht aus zwei Isopren-Einheiten.

Borneol existiert in verschiedenen stereochemischen Formen (Enantiomeren), darunter:

  • (+)-Borneol
  • (−)-Borneol

Diese unterscheiden sich geringfügig in ihrer räumlichen Struktur und ihren physikalischen Eigenschaften.²


Wie entsteht Borneol?

Die Biosynthese erfolgt über den MEP-Stoffwechselweg.

Aus Geranylpyrophosphat (GPP) entstehen zunächst verschiedene Monoterpen-Vorstufen, aus denen Borneol durch spezifische Enzyme gebildet wird.

In Cannabis findet dieser Prozess überwiegend in den glandulären Trichomen statt.


Borneol in der Cannabispflanze

Borneol gehört zu den eher selten dominierenden Terpenen.

Sein Gehalt wird beeinflusst durch:

  • die genetische Ausstattung,
  • Licht,
  • Temperatur,
  • Nährstoffversorgung,
  • Erntezeitpunkt,
  • Trocknung,
  • Curing,
  • Lagerung.

Nicht jede Cannabissorte enthält nachweisbare Mengen an Borneol.


Natürliches Vorkommen

Borneol kommt unter anderem vor in:

  • Rosmarin
  • Salbei
  • Beifuß
  • Ingwer
  • Kampferbaum
  • Borneobaum
  • Wacholder
  • Cannabis

Seine weite Verbreitung macht es zu einem wichtigen Bestandteil vieler ätherischer Pflanzenöle.


Duft- und Aromaprofil

Borneol wird häufig beschrieben als:

  • frisch,
  • kampferartig,
  • leicht minzig,
  • holzig,
  • würzig.

Je nach Zusammenspiel mit anderen Terpenen kann Borneol den Gesamteindruck einer Cannabissorte deutlich beeinflussen.


Aktueller Forschungsstand

Borneol wird weltweit in zahlreichen wissenschaftlichen Bereichen untersucht.

Dazu gehören:

  • Botanik
  • Pflanzenbiologie
  • Biochemie
  • Pharmakologie
  • Lebensmittelchemie
  • Duftstoffforschung

Im Mittelpunkt stehen seine Biosynthese, seine ökologische Funktion und seine chemischen Eigenschaften. Viele Fragestellungen sind weiterhin Gegenstand aktueller Forschung.³


Borneol und der Entourage-Effekt

Wie andere Terpene wird auch Borneol häufig im Zusammenhang mit dem Entourage-Effekt diskutiert.

Dieser beschreibt die wissenschaftliche Hypothese, dass Cannabinoide, Terpene und weitere Pflanzenstoffe gemeinsam biologische Prozesse beeinflussen könnten.

Der aktuelle Forschungsstand liefert Hinweise auf mögliche Wechselwirkungen, deren Umfang jedoch noch nicht abschließend geklärt ist. Weitere wissenschaftliche Untersuchungen sind erforderlich.⁴


Häufige Missverständnisse

„Borneol kommt nur in Cannabis vor.“

Nein.

Borneol ist in zahlreichen Kräutern, Gewürzpflanzen und Nadelbäumen enthalten.


„Alle Cannabissorten enthalten Borneol.“

Nein.

Der Gehalt hängt stark von der jeweiligen Genetik und dem individuellen Terpenprofil ab.


„Borneol ist vollständig erforscht.“

Nein.

Obwohl Borneol bereits lange bekannt ist, werden viele biologische Eigenschaften weiterhin untersucht.


Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist Borneol ein Cannabinoid?

Nein.

Borneol gehört zur Gruppe der Monoterpen-Alkohole.


Wo wird Borneol in Cannabis gebildet?

Vor allem in den glandulären Trichomen der Blüten.


Warum riechen manche Cannabissorten leicht nach Kampfer oder Rosmarin?

Ein möglicher Grund ist ein höherer Anteil an Borneol in Kombination mit anderen Terpenen wie Pinen oder Eucalyptol.


Schon gewusst?

🌲 Der Name „Borneol“ stammt vom Borneobaum (Dryobalanops aromatica), aus dessen Harz die Verbindung erstmals isoliert wurde. Heute ist bekannt, dass Borneol in vielen weiteren Pflanzenarten vorkommt und ein wichtiger Bestandteil zahlreicher ätherischer Öle ist.


Kurz zusammengefasst

  • Borneol ist ein Monoterpen-Alkohol.
  • Es kommt in Cannabis, Rosmarin, Salbei und vielen weiteren Pflanzen vor.
  • Es besitzt ein frisches, kampferartiges Aroma.
  • Es wird weltweit wissenschaftlich untersucht.
  • Seine biologische Funktion wird weiterhin erforscht.

Fazit

Borneol gehört zu den weniger bekannten, aber wissenschaftlich interessanten Terpenen der Cannabispflanze. Sein charakteristisches kampferartiges Aroma und sein Vorkommen in zahlreichen Heil- und Gewürzpflanzen machen es zu einem wichtigen Bestandteil der Terpenforschung. Obwohl bereits viele Erkenntnisse vorliegen, werden seine biologischen Funktionen und möglichen Wechselwirkungen mit anderen Pflanzenstoffen weiterhin intensiv untersucht.

Im nächsten Kapitel beschäftigen wir uns mit 1,8-Cineol (Eucalyptol) – einem frischen, eukalyptusartigen Monoterpen, das in Cannabis, Eukalyptus, Rosmarin und Lorbeer vorkommt und die Reihe der wichtigsten Cannabis-Terpene abschließt.


Quellen

  1. NCBI – Terpenes and Terpenoids: Natural Products
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7120914/
  2. PubChem – Borneol (CID: 6552009)
    https://pubchem.ncbi.nlm.nih.gov/compound/Borneol
  3. NCBI – Cannabis Terpenes and Their Biological Roles
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7763918/
  4. National Center for Complementary and Integrative Health (NCCIH) – Cannabis and Cannabinoids: What You Need To Know
    https://www.nccih.nih.gov/health/cannabis-marijuana-and-cannabinoids-what-you-need-to-know

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