Kapitel 23 – Nerolidol: Das holzig-blumige Terpen der Cannabispflanze
Nerolidol gehört zu den natürlich vorkommenden Sesquiterpenen und ist für sein mildes, holziges, blumiges und leicht fruchtiges Aroma bekannt. Es kommt in zahlreichen Pflanzenarten vor, darunter Jasmin, Teebaum, Ingwer, Zitronengras und verschiedene Zitruspflanzen. Auch in der Cannabispflanze ist Nerolidol Bestandteil des Terpenprofils bestimmter Sorten. Aufgrund seiner chemischen Eigenschaften und seiner natürlichen Verbreitung wird Nerolidol seit vielen Jahren in der Botanik, Pflanzenbiologie, Biochemie und Pharmakologie untersucht. Dieses Kapitel erläutert die chemischen Grundlagen, die Biosynthese, das natürliche Vorkommen sowie den aktuellen wissenschaftlichen Forschungsstand zu Nerolidol.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist Nerolidol?
- Die Entdeckung von Nerolidol
- Die chemische Struktur
- Wie entsteht Nerolidol?
- Nerolidol in der Cannabispflanze
- Natürliches Vorkommen
- Duft- und Aromaprofil
- Aktueller Forschungsstand
- Nerolidol und der Entourage-Effekt
- Häufige Missverständnisse
- FAQ
- Fazit
Was ist Nerolidol?
Nerolidol ist ein natürlich vorkommendes Sesquiterpen-Alkohol, das in zahlreichen Pflanzenarten gebildet wird. Es ist Bestandteil vieler ätherischer Öle und trägt wesentlich zum charakteristischen Duft verschiedener Blüten, Kräuter und Gewürzpflanzen bei.¹
In der Cannabispflanze kommt Nerolidol meist in geringeren Konzentrationen vor als Terpene wie Myrcen oder Limonen. Dennoch kann es das Duft- und Aromaprofil bestimmter Sorten deutlich beeinflussen.
Die Entdeckung von Nerolidol
Nerolidol wurde im frühen 20. Jahrhundert bei der Untersuchung ätherischer Pflanzenöle identifiziert. Mit der Weiterentwicklung analytischer Verfahren konnte das Sesquiterpen in zahlreichen Pflanzenarten sowie später auch in Cannabis nachgewiesen werden.
Heute gehört Nerolidol zu den bekannten Bestandteilen pflanzlicher Duftstoffe und ist Gegenstand vielfältiger wissenschaftlicher Untersuchungen.
Die chemische Struktur
Nerolidol besitzt die Summenformel:
C₁₅H₂₆O
Es gehört zur Gruppe der Sesquiterpen-Alkohole und besteht aus drei Isopren-Einheiten.
Wie einige andere Terpene kommt Nerolidol in verschiedenen Isomeren vor, die sich geringfügig in ihrer räumlichen Struktur unterscheiden und dadurch unterschiedliche Duftnuancen aufweisen können.²
Wie entsteht Nerolidol?
Die Biosynthese erfolgt über den Mevalonat-Weg (MVA).
Aus dem Vorläufermolekül Farnesylpyrophosphat (FPP) entsteht Nerolidol mithilfe spezieller Nerolidol-Synthasen.
In der Cannabispflanze wird Nerolidol überwiegend in den glandulären Trichomen gebildet.
Nerolidol in der Cannabispflanze
Nerolidol gehört zu den weniger dominanten, aber regelmäßig nachgewiesenen Terpenen verschiedener Cannabissorten.
Sein Anteil wird beeinflusst durch:
- die Genetik,
- Umweltbedingungen,
- Lichtintensität,
- Temperatur,
- Erntezeitpunkt,
- Trocknung,
- Curing,
- Lagerung.
Je nach Sorte kann Nerolidol in unterschiedlichen Konzentrationen vorkommen und gemeinsam mit anderen Terpenen das Gesamtaroma beeinflussen.
Natürliches Vorkommen
Nerolidol kommt unter anderem vor in:
- Jasmin
- Teebaum
- Ingwer
- Zitronengras
- Neroli
- Orangenblüten
- Grüner Tee
- Cannabis
Durch seine weite Verbreitung ist Nerolidol Bestandteil zahlreicher ätherischer Öle und natürlicher Duftstoffe.
Duft- und Aromaprofil
Nerolidol wird häufig beschrieben als:
- blumig,
- holzig,
- leicht fruchtig,
- frisch,
- dezent süßlich.
Sein Duft wirkt meist weicher und dezenter als der vieler anderer Terpene.
Aktueller Forschungsstand
Nerolidol wird weltweit in zahlreichen wissenschaftlichen Fachgebieten untersucht.
Dazu gehören:
- Botanik
- Pflanzenbiologie
- Biochemie
- Pharmakologie
- Duftstoffforschung
- Lebensmittelchemie
Die Forschung beschäftigt sich unter anderem mit seiner Biosynthese, seiner Funktion im Pflanzenstoffwechsel sowie seinen Wechselwirkungen mit anderen natürlichen Pflanzenstoffen. Viele Fragestellungen werden weiterhin untersucht.³
Nerolidol und der Entourage-Effekt
Wie andere Terpene wird auch Nerolidol häufig im Zusammenhang mit dem Entourage-Effekt diskutiert.
Dabei handelt es sich um die wissenschaftliche Hypothese, dass Cannabinoide, Terpene und weitere Pflanzenstoffe gemeinsam biologische Prozesse beeinflussen könnten.
Nach dem aktuellen Forschungsstand gibt es Hinweise auf mögliche Wechselwirkungen. Umfang und Bedeutung dieser Zusammenhänge sind jedoch bislang nicht abschließend geklärt und bleiben Gegenstand weiterer wissenschaftlicher Forschung.⁴
Häufige Missverständnisse
„Nerolidol kommt nur in Cannabis vor.“
Nein.
Nerolidol wurde in zahlreichen Pflanzenarten nachgewiesen und ist Bestandteil vieler ätherischer Öle.
„Nerolidol ist in allen Cannabissorten enthalten.“
Nicht unbedingt.
Der Gehalt hängt von der jeweiligen Genetik und dem individuellen Terpenprofil ab.
„Nerolidol ist vollständig erforscht.“
Nein.
Obwohl Nerolidol seit vielen Jahren untersucht wird, bestehen weiterhin offene wissenschaftliche Fragestellungen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist Nerolidol ein Cannabinoid?
Nein.
Nerolidol gehört zur Gruppe der Sesquiterpen-Alkohole.
Wo wird Nerolidol in Cannabis gebildet?
Vor allem in den glandulären Trichomen der Blüten.
Warum riechen manche Cannabissorten blumig und holzig?
Ein Grund kann ein höherer Gehalt an Nerolidol in Kombination mit Terpenen wie Linalool oder Humulen sein.
Schon gewusst?
🌼 Nerolidol ist ein natürlicher Bestandteil von Jasmin- und Orangenblütenöl und wird deshalb häufig in hochwertigen Parfüms und Duftkompositionen eingesetzt.
Kurz zusammengefasst
- Nerolidol ist ein Sesquiterpen-Alkohol.
- Es kommt in Cannabis und zahlreichen Blüten- und Gewürzpflanzen vor.
- Es besitzt ein holzig-blumiges Aroma.
- Es wird weltweit wissenschaftlich untersucht.
- Seine biologischen Eigenschaften und Wechselwirkungen sind Gegenstand aktueller Forschung.
Fazit
Nerolidol gehört zu den weniger bekannten, aber wissenschaftlich bedeutenden Terpenen der Cannabispflanze. Sein charakteristisches holzig-blumiges Aroma und seine weite Verbreitung im Pflanzenreich machen es zu einem wichtigen Bestandteil vieler Terpenprofile. Trotz umfangreicher Forschung werden seine biologischen Funktionen und möglichen Wechselwirkungen mit anderen Pflanzenstoffen weiterhin intensiv untersucht.
Im nächsten Kapitel beschäftigen wir uns mit Bisabolol – einem Sesquiterpen-Alkohol, der vor allem aus der Echten Kamille bekannt ist und ebenfalls im Terpenprofil bestimmter Cannabissorten vorkommt.
Quellen
- NCBI – Terpenes and Terpenoids: Natural Products
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7120914/ - PubChem – Nerolidol (CID: 6438205)
https://pubchem.ncbi.nlm.nih.gov/compound/Nerolidol - NCBI – Cannabis Terpenes and Their Biological Roles
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7763918/ - National Center for Complementary and Integrative Health (NCCIH) – Cannabis and Cannabinoids: What You Need To Know
https://www.nccih.nih.gov/health/cannabis-marijuana-and-cannabinoids-what-you-need-to-know







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